Schlagwort: neue Gewohnheiten

Zugreisen – geht das auch mit Kind?

Zugreisen – geht das auch mit Kind?

Es ist Urlaubszeit und ich wurde letzlich noch gefragt, ob das Bahnreise mit kleinem Kind gut funktioniert. Es dauert noch etwas bis zu meinem diesjährigen Sommerurlaub, aber ich kann meine Erfahrung vom letzten Jahr teilen. Beim Reisen stellt sich ja immer die Frage: wie kommen wir hin und wie bewegen wir uns. Da mein Mann und ich nach unserer letzten langen Flugreise beschlossen hatten, für mindestens 10 Jahre ohne Flieger auszukommen, stand zumindest ein Verkehrsmittel gar nicht zur Debatte. Bleiben Zug sowie Mietauto. Wir hatten uns für eine Kombination entschieden, da ein Teil der geplanten Reiseroute leider mit dem Zug schlecht zu machen war. Die Route war: Bonn – Leipzig mit dem Zug, Leipzig – Görliz – Oppeln – Łódź – Toruń – Danzig – Kolberg – Berlin mit dem Auto und schließlich von Berlin nach Bonn mit dem Zug. Ihr merkt, wir hatten viel mehr Stops mit dem Auto. Das lag vor allem daran, dass wir immer nur 2-3 Stunden entspannt fahren konnten bevor die Kleine keine Lust mehr hatte. Ich möchte euch noch kurz die Vorteile beider Verkehrsmittel für das Reisen mit Kleinkind zusammenfassen:

Vorteile beim Zug:

  • Man kann sich bewegen (großes Plus mit kleinem Kind, ermöglicht uns aktuell 5-6 Stunden entspannt unterwegs zu sein statt 2-3 Stunden mit dem Auto)
  • Man muss sich nicht aufs Fahren konzentrieren sondern kann anderen Dinge tun
  • Weniger CO2, je nach Studie ist der Effekt unterschiedlich groß, aber immer vorhanden. Nachzulesen z.B. beim Umweltbundesamt.

Hilfreiche Infos zur Zugfahrt:

  • Im ICE das Kleinkindabteil zu reservieren macht die Reise entspannter. Wenn das ausgebucht ist, dann ist Familienbereich auch gut.
  • Wickelmöglichkeiten gibts im Kleinkindabteil und im Rollstuhl-WC
  • Mit großem Kinderwagen besser nicht IC/EC fahren sondern Regionalbahnen oder ICE, da ist nämlich mehr Platz. Ansonsten könnt ihr euch auch einfach darauf einstellen dass ihr mit dem Wagen im Gang im Weg steht. Eine meiner Meinung nach entspanntere Alternative ist ein kleiner Buggy oder eine Trage.
  • Man kann bei der Buchung die Umsteigezeiten anpassen (deutsche Bahn). Wenn man mit viel Gepäck unterwegs ist kann dies die Reise entspannter machen
  • Hier gibt es interssante Infos zu vielen Bahnstrecken
  • Dieses Reisebüro ist auf weltweite Bahnreisen spezialisiert (Ich habe es bisher nicht genutzt, da ich alles selber gebucht habe, aber könnte für exotischere Länder interessant sein)

Vorteile beim Auto:

  • Man ist flexibler was Abfahrtzeiten betrifft
  • Man kann einfach mehr Gepäck dabei haben

Hilfreiche Infos für die Autofahrt:

  • Schlafenszeiten des Kindes nutzen um zu fahren
  • Genug Spielzeug und Essen / Trinken dabei haben
  • Dazu, über Nacht zu fahren, konnten wir uns bisher noch nicht durchringen. Das würde die Strecke, die man schafft deutlich erhöhen, klingt aber sehr anstrengend.

Unser Beispiel für eine Packliste für ein Kleinkind (ca 1-1,5 Jahre) im Sommerurlaub. Wir waren 3 Wochen unterwegs und haben 2x zwischendrin gewaschen:

  • 1 Schlafsack
  • 2 Schlafanzüge
  • 2 Bodies, langer Arm
  • 4 Bodies, kurzer Arm
  • 3-4 T-Shirts
  • 1-2 Langarmshirts
  • 1 Jacke
  • 1 Paar Schuhe / playsocks
  • 1 Badehose
  • 1 Matschhose
  • 1 warme Hose
  • 3 dünne Hosen / Leggings
  • 2 kurze Hosen
  • 2 Lätzchen
  • 1 Schwimmwindel / Badehose
  • 1 Sonnenhut
  • 1 Mütze
  • 1 Halstuch

PS. ohne Kind habe ich letztlich den Flixbus genutzt, Reiseziel:Kopenhagen. Das war wirklich super. Pünktlich und entspannt, selbst bei der Fahrt über Nacht. Wie das mit einem Kleinkind geht ist mir aber nicht klar, aber ich denke mal in ein paar Jahren fahren wir vielleicht auch so in den Urlaub.

Abenteuer SoLaWi

Abenteuer SoLaWi

Sehr lange gab es keinen neuen Artikel auf diesem Blog. Das liegt daran, dass ich in den letzten Monaten viel Zeit damit verbracht habe, auf Demonstrationen zu gehen, Petitionen zu unterschreiben und zu teilen. Außerdem hatte ich auch ein wenig das Gefühl, dass es gerade wichtiger ist die Politik zu beeinflussen als das persönliche Verhalten meiner Mitmenschen. Aber um die Klimakrise noch einzudämmen brauchen wir beides und ich möchte diesen Blog hier wieder mit ein wenig Leben füllen.

Dass die Klimakrise real ist brauche ich hier nicht weiter zu besprechen, das tun andere Leute viel besser als ich. Seid ihr noch nicht ganz überzeugt, dann lest z.B. in der Zeit oder ihr stöbert in den Klimafakten bzw. in der Klimalounge.

Womit ich mich die letzen Monate noch beschäftigt habe war meine neue Mitgliedschaft in der SoLaWi (solidarische Landwirtschaft), die für mich im März diesen Jahres begonnen hat. Keine Ahnung was eine SoLaWi ist? Nicht schlimm, das ist schnell erklärt: Viele Menschen schließen sich zusammen und finanzieren gemeinsam, solidarisch – jede/r gibt soviel wie möglich ist – einen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Gegenzug erhalten alle zu gleichen Teilen die Ernte: lokal, saisonal, (bio) und lecker.

Einiges ist jetzt anders als vorher. Auf dem Markt (und im Supermarkt natürlich noch mehr) gibt es immer auch Gemüse, dass nicht regional/saisonal ist. Wenn der Kühlschrank aber schon voller SoLaWi Gemüse ist, muss ich gar nicht mehr einkaufen gehen, und die Versuchung Tomaten im Mai zu kaufen ist dann sehr klein. Das Kochen ist inzwischen auch etwas anders. Früher war das größte Problem zu überlegen, was wir wohl kochen könnten um dann entsprechend einzukaufen. Jetzt ist die Herausforderung eher viele verschiedene Rezepte für dieselben Zutaten zu bekommen. Aber so langsam werde ich zur Expertin für die Variation des grünen Salats – hätte nicht gedacht, dass das so lecker sein könnte. Und ich hoffe ein wenig auf den Effekt, den Barbara Kingsolver in ihrem Buch Animal, Vegetable, Miracle beschreibt: dass man sich in der Saison so satt essen kann an einem Lebensmittel, dass es danach ok ist, es viele Monate nicht mehr essen zu können. Ein weiterer schöner Nebeneffekt der SoLaWi ist es, viele nette, engagierten Menschen kennenzulernen, die ähnliche Themen bewegen wie mich. Und die Chance ein wenig zu gärtnern, wenn ich Lust dazu habe während das aber keine dauerhafte Verpflichtung ist, da ca. 400 andere Menschen auch im SoLaWi Verein sind, und nicht jede/r jedesmal anpacken muss. Es ist SEHR befriedigend am Ende einiger Stunden auf dem Acker zu sehen, was ich so geschafft habe. Eine gute Abwechslung zu meinem beruflichen Alltag, wo Ergebnisse oft nicht so klar sichtbar sind. Ich vermisse tatsächlich unseren Marktschwärmer, denn auch da bekamen wir leckeres Gemüse aus der Region. Eine gute Alternative für alle, denen es nicht gefällt, dass sie das Gemüse der Woche nicht selber aussuchen können. In der SoLaWi bekommen wir jede Woche nämlich das Gemüse, dass gerade geerntet werden muss. Beim Marktschwärmer und auf dem Biomarkt kann ich stärker selber entscheiden was ich kaufe.

Die Gemüsemenge schwankt bei der SoLaWi tatächlich auch Jahreszeitenbedingt. Im Winter gibt es, zumindest bei unserer SoLaWi, deutlich seltener Gemüse. Da habe ich das erste Mal Wirsing bekommen – hätte ich nie gekauft, weil ich dachte der schmeckt nicht – und festgestellt: SOOO lecker 😉

Inzwischen bekommen wir jede Woche große Tüten voll Salat, Fenchel, Mangold, Kräuter, Frühlingszwiebeln und Kohlrabi. Sieht optisch ganz anders aus als noch vor ein paar Monaten. So gibt es dann auch bei der SoLaWi abwechslungsreiches Essen – der Rhythmus des Wechsels ist ein wenig anders als vorher, aber definitiv nicht schlechter. Absolutes Highlight für mich ist es, bei der Beschaffung der Lebensmittel noch einen Schritt weiter auf saisonal und regional und somit nachhaltig gegangen zu sein. Größtes Highlight für meine kleine Tochter ist die Tatsache, dass wir schon zweimal eine kleine Schnecke im Salat gefunden haben. Der ist halt nicht ganz so klinisch sauber wie aus dem Supermarkt. Zugegebenermaßen, das nervt beim Waschen. Aber es fühlt sich besser an diesen Salat zu essen – es ist eben glücklicher Salat.

Die gute und die schlechte Nachricht

Die gute und die schlechte Nachricht

Die schlechte Nachricht zuerst: der Klimawandel ist da. Sehr anschaulich erklärt in diesem Video von der Tagesschau.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: es ist noch nicht zu spät, wir können den Klimawandel vielleicht nicht mehr aufhalten, aber doch sehr stark beeinflussen, wie krass es werden wird. Sagt zumindest der Weltklimarat IPCC – wer die kurze Version hören mag wähle den Link zum Radiobeitrag, für mehr Informationen könnt ihr hier weiterlesen.

Haben wir also Hoffnung, dass wir die 1,5°C schaffen können? Dazu möchte ich aus einen Text zitieren, den ich vor einigen Tagen im Adventskalender gefunden habe:

„Vielleicht heißt Hoffnung gar nicht der Glaube an den guten Ausgang der Welt und an die Vermeidung ihrer Zerstörung. Es garantiert uns kleiner, dass das Leben auf der Erde in absehbarer Zeit nicht kollabiert, auch kein Regenbogen. Aber wir können tun, als hofften wir. Hoffen lernt man dadurch, dass man handelt, als sei Rettung möglich. Hoffnung garantiert keinen guten Ausgang der Dinge. Hoffen heißt darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist was wir tun. Hoffnung ist der Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus.“
Fulbert Steffensky

Was könnt ihr tun? Euren Abgeordneten schreiben wäre eine Möglichkeit. Oder neue Gewohnheiten in euer Leben bringen. Inspirationen dazu findet ihr auf diesem Blog. Ich wünsche euch allen einen frohen 2. Advent.

„Die Hölle am Himmel“

„Die Hölle am Himmel“

Liebe Leute,

in der aktuellen Zeit gibt es ein wirklich interessantes Dossier zum Thema Flugreisen und auch ein spannendes Interview

Ich möchte euch mit ein paar Zitaten Lust auf die Lektüre machen:

„Es gibt tatsächlich eine Generation, die mit Ryanair und Easyjet groß geworden ist. Die wird begreifen müssen, dass sie eine unglaubliche Ausnahmesituation erlebt hat – die zu sehr auf Kosten der Umwelt geht. Diese Leute müssen ihr Verhalten ändern – aber dazu sind Menschen durchaus in der Lage. Es wird ihnen allerdings leichterfallen, wenn es Alternativen gibt. Wenn beispielsweise die Bahnstrecken endlich ordentlich ausgebaut werden. In ganz Europa. Bisher gilt die Bahn bis zu 500 Kilometern als das beste und komfortabelste Verkehrsmittel. Diesen Radius müssen wir ausweiten.“

„Fliegen ist nur deshalb so erschwinglich, weil der Staat es unterstützt. Weil er die Schäden ignoriert, die das Fliegen anrichtet. Denn Flughäfen bringen Wirtschaftswachstum, Jobs, Tourismus, Messegäste. Flughäfen machen Städte attraktiv. “

„Womöglich würde sich das Fliegen dann in das zurückverwandeln, was es einmal war: in eine Möglichkeit, weit entfernte Länder, andere Kontinente zu entdecken, nicht Düsseldorf. Das wäre zwar nicht die Lösung. Aber es wäre ein sehr guter Anfang. “

 

Ja, es ist möglich innerhalb Deutschlands und Europas mit der Bahn zu fahren, auch wenn die Strecken etwas länger sind. In den letzten Jahren habe ich das so gemacht. Es kostet etwas mehr Zeit, das stimmt. Aber es ermöglicht wundervolle Zwischenstopps. Die Reise nach Rom hätte ich sonst sicher nicht mit einem Besuch bei Freunden im Tessin oder einem Abstecher nach Florenz verbunden. Nach London fahre ich nur noch mit dem Zug, das ist einfach so viel entspannter als mit dem Flugzeug (der Weg von den Flughäfen in die Londoner Innenstadt ist einfach nicht besonders kurz oder günstig und mit dem Bus bei Berufsverkehr echt einfach nur anstrengend!). Auch Paris oder Brüssel sind super angebunden ans deutsche Streckennetz. In der Schweiz ist Zugfahren einfach wundervoll, die Bahnen sind super pünktlich, weil die Fahrpläne nicht so eng getaktet sind und die Aussicht auf die Berge ist einfach fantastisch.

Was meint ihr? Wäre eure nächste Reise auch mit der Bahn statt mit dem Flugzeug möglich?

einfache Veränderungen: Teil 5 – Energie

einfache Veränderungen: Teil 5 – Energie

Energie sparen und erneuerbare Energien nutzen ist ja nicht nur seit der Energiewende in aller Munde. So einfach gehts:

  1. Ökostrom beziehen, der Wechsel ist gar nicht so schwer. Aber Achtung, nicht alles was öko heißt ist auch vollständig aus erneuerbaren Energien. Einen guten Überblick gibt es hier
  2. Ferngesteuerte Steckdosen anschaffen: Wenn man weiß, wo die Fernbedienung liegt, kann man mit einem Klick Licht an und aus machen, gilt natürlich auch für alle anderen Elektorgeräte, die sonst im Standby Strom verbrauchen würden. So muss man nicht mühsam alles einzeln ausschalten, und kann nebenbei noch den Besuch beeindrucken (falls der noch schmollt wegen des fehlenden Mineralwassers 😉 )
  3. Spülmaschine nutzen statt per Hand spülen – das ist doch mal eine super Nachricht 🙂

 

Für Fortgeschrittene:

  1. Geräte die kaputt gehen nur ersetzen, wenn ihr wirklich nicht auf sie verzichten könnt. Braucht ihr wirklich einen Fernseher wenn ihr eh einen Laptop habt?
  2. Beim Neukauf von Geräten wie z.B. Kühlschrank auf die Energieeffizienz achten. Ich habe selber festgestellt, dass der neue Kühlschrank mit guter Energiestufe vielleicht etwas teuer war, aber bei der Stromrechnung hatten wir das schnell wieder raus.
  3. Abschalten: Mehr Zeit mit Freunden, in der Natur oder beim Sport verbringen statt vor Computer, Handy oder Tablett zu sitzen.
einfache Veränderungen: Teil 4 – Unterwegs sein

einfache Veränderungen: Teil 4 – Unterwegs sein

Gerade unterwegs, wenn man in Eile ist oder Stress hat, greift man gerne zu schnellen, aber wenig sinnvollen Lösungen. Hier 3 Tipps, die ihr im Vorfeld eines Arbeitstages/einer Reise anwenden könnt:

  1. Etwas Essbares dabei haben, z.B. einen Apfel o.ä.. Verhindert Spontankäufe von ungesunden und plastik-verpackten Snacks
  2. Eine Flasche Wasser dabei haben. Dafür lohnt es sich evtl., eine schöne Mehrweg-Flasche anzuschaffen. Ich mag ja die von aladdin.
  3. Unterhaltungsprogramm mitbringen/Zeitung als Online-Abo lesen (in Zeiten des Smart-Phones gibt’s da wirklich keine Ausrede), dann kann man auf Zeitschriften, Bücher etc. aus dem Bahnhofskiosk gut verzichten.

Für Fortgeschrittene:

  1. Butterbrot schmieren, Obst oder Rohkost einstecken. Definitiv günstiger als ein belegtes Brötchen vom Bäcker und kann in einer Mehrwegdose oder -tüte transportiert werden.
  2. Keine Pappbecher verwenden. Einen eigenen Becher mitbringen und das Lieblings-Café überzeugen den zu befüllen, oder ihn direkt zuhause befüllen (der Kaffee/Tee ist auch lecker, und günstiger, und hat weniger Zucker als so ein Kaffee-Ketten Getränk). Vielleicht habt ihr auch Glück, und euer Lieblings-Café bietet Mehrweg-Becher an (wie es z.B. die Black Coffee Pharmacy. Bonn tut).
  3. Wartezeiten am Bahnhof: statt einem Aufenthalt in den Geschäften bietet sich eine Auszeit in einem Café oder bei einem Treffen mit Freunden/Familie an. Das erfordert ein wenig Organisation im Vorfeld oder Spontanität bei allen Beteiligten, schafft aber sicher erfüllenderere Erinnerungen als ein Shopping-Ausflug.
einfache Veränderungen: Teil 3 – Konsum

einfache Veränderungen: Teil 3 – Konsum

Konsum einschränken! Das klingt schon sehr nach Verzicht, nicht wahr? Aber nur auf den ersten Blick. Denn es schaft Raum für Achtsamkeit auf eure wahren Bedürfnisse und Beziehungen zu den Menschen, die euch wichtig sind. Außerdem spart ihr jede Menge Geld und somit Zeit, denn ihr müsst weniger verdienen und daher weniger arbeiten. Wenn das nicht glücklich macht! Konsum soll uns helfen, wenn wir uns nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Identität sehnen. Werte, die mit Besitz von Dingen allerdings sehr wenig zu tun haben. Wenn ihr also Konsum meidet könnt ihr euch wahrhaftig damit außeinandersetzen, wie ihr SEIN möchtet, nicht was ihr besitzen wollt.

Hier also 4 Tipps zur Reduktion von Konsum:

  1. Eine Anschaffungsliste haben, so dass Frust-/Langeweile-/Verkaufsoffener Sonntag-Einkaufen wegfällt oder ihr zumindest etwas kauft, was ihr wirklich braucht
  2. Bücherei-Ausweis anschaffen: Bücher, (Video)Spiele, DVDs, Musik, e-Books bekommt ihr hier
  3. Zeit statt Zeug schenken. Sind nicht Erinnerungen an gemeinsam verbrachte Zeit das, was wirklich glücklich macht?
  4. Second Hand (ver)kaufen: gilt für Kleidung, Möbel, Spielzeug… hm, eigentlich fast alles

Für Fortgeschrittene:

  1. Fragt euch vor jedem Einkauf: brauche ich das wirklich? Macht mich das glücklich?
  2. Hochwertige und nachhaltig produzierte Produkte kaufen. Sind etwas teurer, halten dafür aber länger und die Versuchung viel zu kaufen ist durch den Preis geringer
  3. Ausmisten: alles was ihr nicht wirklich braucht wieder unters Volk bringen. Jemand anderes freut sich und muss es nicht neu kaufen
  4. Tauschen und teilen, z.B. über Nachbarschaftsportale, Flohmärkte, Ebay Kleinanzeigen
Das eigene Auto abschaffen

Das eigene Auto abschaffen

Das eigene Auto abschaffen, sagt sich sehr leicht für mich – ich hatte nie eins. Da ich selber also keine Erfahrung damit habe, wie es mir mit dieser Veränderung ergehen würde, habe ich einen guten Freund gebeten einen Gastartikel zu schreiben. Und so will ich euch gar nicht mit weiterer Vorrede aufhalten sondern wünsche euch viel Spaß mit dem spannenden Erfahrungsbericht von Hans:

Warum ich kein eigenes Auto brauche

Um die Frage zu beantworten, warum ich glaube, kein eigenes Auto zu brauchen, muss ich zunächst einmal erklären, warum ich mal glaubte, eines zu brauchen.

Ich ergriff damals die Möglichkeit, meinen Eltern ihr Auto, einen VW Polo, abzukaufen. Neben der Lösung meines Pendelproblems (Vollzeitbeschäftigung in Tübingen, Nebentätigkeit im 30km entfernten Nürtingen) ergaben sich viele weitere Vorteile wie regelmäßige Ausflüge in die Umgebung und eine deutlich schnellere Anreise zum Stuttgarter Flughafen, was mir bei meiner Fernbeziehung nach Berlin auch sehr entgegenkam. Zugegeben, für viele dieser vermeintlichen Vorteile hätte es auch andere ähnlich bequeme Lösungen gegeben, doch dazu später.

Als ich aus Tübingen weg nach Berlin zog, habe ich mein Auto wie selbstverständlich mitgenommen. Schließlich hatte ich mich an den Komfort eines eigenen Autos gewöhnt. Allerdings dauerte es in Berlin nicht sehr lange, bis mir die Nachteile eines eigenen Autos in einer Großstadt mit einem sehr gut ausgebautem Nahverkehrssystem und auch vielen weiteren Alternativen zum eigenen Auto deutlich wurden. Mein Auto stand zunehmend wochenlang ungenutzt herum, da ich fast alles mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr erledigen konnte. Wenn ich es mal nutzte trieb mich die ewige Parkplatzsuche in den Wahnsinn. Schließlich führte es dazu, dass ich mir die gleiche Frage, die ich mir drei Jahre zuvor in Tübingen gestellt hatte, nochmals stellte: Brauche ich wirklich ein eigenes Auto? Emotional fiel es mir doch sehr schwer, mich von meinem Auto und der damit verbundenen Flexibilität und Freiheit zu trennen. Als Ökonom blieb für mich daher nur die Schlussfolgerung, dass ich ausrechnen muss, was mich diese Flexibilität und Freiheit kostet und ob ich bereit bin diesen Betrag dafür zu zahlen.

Rechnet sich ein eigenes Auto?

In einem ersten Schritt habe ich ausschließlich die Unterhaltskosten berechnet, das heißt KfZ-Steuer, Versicherungszahlungen sowie die anfallenden Kosten für Wartungen und Reparaturen. Das Ergebnis überraschte mich dann doch etwas. Insgesamt habe ich im Jahr 1.320 Euro für mein Auto ausgegeben ohne auch nur einen einzigen Kilometer damit gefahren zu sein.

In einem zweiten Schritt habe ich recherchiert, was mich Car-Sharing kosten würde. Im Unterschied zu Tübingen gab es in Berlin bereits 2014 eine Reihe von Anbietern mit unterschiedlichen Car-Sharing-Konzepten, die seitdem auch noch stetig gewachsen sind. Ich habe mich zunächst für einen stationären Car-Sharing-Anbieter entschieden, das heißt die Autos stehen einem an bestimmten Stationen zur Verfügung und man muss sie auch dort wieder abgeben. Der Anbieter, für den ich mich schließlich entschieden habe, hatte in dem von mir gewählten Tarif keine Jahresgebühr. Mit jährlich 50 Euro konnte man aber die Selbstbeteiligung im Schadensfall von 1.000 Euro auf 200 Euro reduzieren. Weitere Kosten kommen lediglich bei der Nutzung der Autos auf. Diese setzen sich aus einem Zeit- und einem Kilometerpreis zusammen.

Bei einem Auto in vergleichbarer Größe zu meinem eigenen Auto bedeutete dies, dass ich mir zwei Mal im Monat für einen ganzen Tag ein Car-Sharing-Auto nehmen und jeweils etwa 250 km fahren könnte bevor mein eigenes Auto günstiger wäre. Diese Rechnung ist dabei sehr vereinfacht, da sie weder den Wertverlust meines eigenen Autos, noch andere Tarife beim Anbieter, die für Vielnutzer deutlich günstiger sind, berücksichtigt. Zudem habe ich die Rahmenbedingungen (angenommener Verbrauch (6,0 l/100 km), Benzinpreis (1,10 €/l, und Mietdauer (1 h/10 km)) die Option eigenes Auto begünstigt. Dies sollte verdeutlichen, dass die Rechnung in der Realität eher noch stärker zugunsten von Car Sharing ausfallen würde. Anbei ein kleines tabellarisches Rechenmodell.

Annahmen zur Tabelle: Hier werden meine Ausgaben beim eigenen Auto mit meinem CarSharing Tarif verglichen. Andere Tarife bzw. Anbieter können zu höheren oder niedrigeren Kostensätzen führen. Da ich das Car-Sharing-Auto häufig für längere Fahrten ins Umland nutze, habe ich ein recht hohen „Stundenverbrauch“ mit einer Stunde für zehn gefahrene Kilometer. Auch hier kommt man möglicherweise mit Tagestarifen etc. günstiger hin.

Mobil sein ohne eigenes Auto

Nachdem ich mich schweren Herzens von meinem eigenen Auto getrennt habe, nutze ich mittlerweile neben dem stationären Car-Sharing-Modell auch ein nicht stationäres Car-Sharing-Modell. Letzteres hat den Vorteil, dass die Autos innerhalb des Geschäftsgebietes verteilt stehen und man sich bei Bedarf via App ein freies Auto in der Nähe sucht und es am Zielort einfach wieder abstellt. Dieses System ist zwar etwas teurer als die stationären Modelle, hat aber den Vorteil, dass man das Auto überall innerhalb des Geschäftsbereichs wieder abgeben kann und es nicht wieder zu einer Station zurück bringen muss. Somit nutze ich für weitere Fahrten insbesondere ins Umland, das günstigere stationäre System und für Fahrten innerhalb Berlins das nicht stationäre Modell.

Für mich hat Car Sharing auch dazu geführt, dass mir die Kosten einer Autofahrt deutlich bewusster sind. Beim eigenen Auto bin ich meist einfach losgefahren und habe mir meist auch über die Benzinkosten wenig Gedanken gemacht. Jetzt überlege ich mir, ob das Auto tatsächlich die beste Option ist, oder ob ich nicht günstiger und teilweise sogar ohne Zeitverlust mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr an mein Ziel komme. Dies hat zur Folge, dass ich das Auto nur sehr selten benutze und dies meist, wenn ich viele oder schwere Gegenstände transportieren muss. Dies sind innerhalb Berlins vor Allem Fahrten zum Recyclinghof oder zu Freunden. Letztendlich hat sich das Car-Sharing-System auch in spontanen Notsituationen bewährt. Als aufgrund eines Sturms meine Frau aus Hamburg nicht mehr nach Berlin kam, konnte ich ein Car-Sharing-Auto ausleihen und sie dort abholen.

Habe ich Freiheit aufgegeben oder sogar gewonnen?

Insgesamt hat sich für mich herausgestellt, dass ein eigenes Auto zwar viel Flexibilität und Freiheiten gibt, dies aber zu einem sehr hohen Preis erfolgt. Mit Car Sharing gibt es eine sinnvolle Alternative, die kostengünstiger ist und man befreit sich auch von den Verpflichtungen, die mit einem eigenen Auto auf einen zukommen. Zudem kann man über Car-Sharing für jede Gelegenheit, beispielsweise Möbeltransporte, das passende Auto mieten und viele Car-Sharing-Anbieter sind in mehreren Städten vertreten. Letzteres erhöht die Flexibilität, da man für lange Strecken bequem den Zug nutzen kann und sich einfach am Zielort ein passendes Auto holt. Nicht stationäre Systeme haben außerdem den Vorteil, dass man die Autos auch nur für eine Strecke nutzen kann oder spontan ein Auto ausleihen kann, wenn es beispielsweise zu Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr kommt. Auch wenn es nicht mein Hauptkriterium war, so ist es doch auch das ökologisch nachhaltigere Modell, da man sich besser überlegt, wann man wirklich ein Auto benötigt und dasselbe Auto von mehreren Personen genutzt werden kann.

Rückblickend betrachtet wäre eine Lösung ohne eigenes Auto auch in Tübingen die kostengünstigere Option gewesen ohne einen deutlich höheren Zeitaufwand in Kauf nehmen zu müssen. Eine Car Sharing Option gab es in der Nähe meiner Wohnung und für die Flughafenfahrten hätte man auch einen Fahrservice in Anspruch nehmen können. Ob ich mich heute in Tübingen für die CarSharing-Lösung statt dem eigenen Auto entscheiden würde ist schwer zu beantworten. Ich vermute mal, dass ich mich tatsächlich anders entscheiden würde und CarSharing wählen würde, kann aber nicht ausschließen, dass auf die Dauer die Bequemlichkeit gesiegt hätte.

Beim Schreiben dieses Beitrags sind mir aber nochmal ein paar Dinge bewusst geworden. Für meine Situation ist Car Sharing eine sehr gute Alternative zum eigenen Auto. Dies liegt vor Allem daran, dass Berlin nicht nur ein sehr gut ausgebautes Nahverkehrssystem hat, sondern laut Carsharing News das mit Abstand größte Angebot an CarSharing-Angeboten hat, die auch noch durch Sharing-Angebote für Elektroroller und Fahrräder ergänzt werden. Mittlerweile existiert aber auch in anderen Großstädten ein gutes bis sehr gutes Angebot an CarSharing-Modellen. Insbesondere in Klein- und Mittelstädten ist es allerdings möglich, dass man entweder keine Anbieter findet oder die Infrastruktur der vorhandenen Anbieter recht klein ist. Dies macht das eigene Auto wieder attraktiver. Zudem ist man weiterhin auf ein eigenes Auto angewiesen, wenn man in Vororten oder auf dem Land lebt und es gar keine Angebote gibt.

einfache Veränderungen: Teil 2 – Mobilität

einfache Veränderungen: Teil 2 – Mobilität

Weiter gehts mit 3 einfachen Tipps zur Mobilität, natürlich wieder alltagstauglich, gesund, nachhaltig und zum Geld sparen.

  1. Zu Fuß gehen und Rad fahren: entschleunigt, denn man braucht etwas mehr Zeit, aber man hat auch direkt Bewegung an der frischen Luft und muss nicht auf dem Laufband im Fitness-Studio schwitzen 😉
  2. Treppe statt Aufzug nehmen, macht fit
  3. Abo für den öffentlichen Nahverkehr anschaffen. Was man hat, nutzt man auch. Wenn das alle täten gäbe es in den Städten auch weniger Stau!

Für Fortgeschrittene:

  1. Auto verkaufen: Wenn man kein eigenes Auto hat spart man echt viel Geld, dafür kann man viel Taxi/Car-Sharing Auto/Zug fahren und sich dabei sehr dekadent fühlen 🙂
  2. Fahrrad-Korb oder -Taschen anschaffen: damit kann man den Wocheneinkauf für zwei bis drei Personen auf jeden Fall locker erledigen.
  3. Mit dem Zug in den Urlaub statt fliegen: der Weg ist das Ziel, warum nicht Freunde besuchen und dort einen Stop einlegen? Oder in einer Stadt, die ihr immer schon mal sehen wolltet?