Abenteuer SoLaWi

Abenteuer SoLaWi

Sehr lange gab es keinen neuen Artikel auf diesem Blog. Das liegt daran, dass ich in den letzten Monaten viel Zeit damit verbracht habe, auf Demonstrationen zu gehen, Petitionen zu unterschreiben und zu teilen. Außerdem hatte ich auch ein wenig das Gefühl, dass es gerade wichtiger ist die Politik zu beeinflussen als das persönliche Verhalten meiner Mitmenschen. Aber um die Klimakrise noch einzudämmen brauchen wir beides und ich möchte diesen Blog hier wieder mit ein wenig Leben füllen.

Dass die Klimakrise real ist brauche ich hier nicht weiter zu besprechen, das tun andere Leute viel besser als ich. Seid ihr noch nicht ganz überzeugt, dann lest z.B. in der Zeit oder ihr stöbert in den Klimafakten bzw. in der Klimalounge.

Womit ich mich die letzen Monate noch beschäftigt habe war meine neue Mitgliedschaft in der SoLaWi (solidarische Landwirtschaft), die für mich im März diesen Jahres begonnen hat. Keine Ahnung was eine SoLaWi ist? Nicht schlimm, das ist schnell erklärt: Viele Menschen schließen sich zusammen und finanzieren gemeinsam, solidarisch – jede/r gibt soviel wie möglich ist – einen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Gegenzug erhalten alle zu gleichen Teilen die Ernte: lokal, saisonal, (bio) und lecker.

Einiges ist jetzt anders als vorher. Auf dem Markt (und im Supermarkt natürlich noch mehr) gibt es immer auch Gemüse, dass nicht regional/saisonal ist. Wenn der Kühlschrank aber schon voller SoLaWi Gemüse ist, muss ich gar nicht mehr einkaufen gehen, und die Versuchung Tomaten im Mai zu kaufen ist dann sehr klein. Das Kochen ist inzwischen auch etwas anders. Früher war das größte Problem zu überlegen, was wir wohl kochen könnten um dann entsprechend einzukaufen. Jetzt ist die Herausforderung eher viele verschiedene Rezepte für dieselben Zutaten zu bekommen. Aber so langsam werde ich zur Expertin für die Variation des grünen Salats – hätte nicht gedacht, dass das so lecker sein könnte. Und ich hoffe ein wenig auf den Effekt, den Barbara Kingsolver in ihrem Buch Animal, Vegetable, Miracle beschreibt: dass man sich in der Saison so satt essen kann an einem Lebensmittel, dass es danach ok ist, es viele Monate nicht mehr essen zu können. Ein weiterer schöner Nebeneffekt der SoLaWi ist es, viele nette, engagierten Menschen kennenzulernen, die ähnliche Themen bewegen wie mich. Und die Chance ein wenig zu gärtnern, wenn ich Lust dazu habe während das aber keine dauerhafte Verpflichtung ist, da ca. 400 andere Menschen auch im SoLaWi Verein sind, und nicht jede/r jedesmal anpacken muss. Es ist SEHR befriedigend am Ende einiger Stunden auf dem Acker zu sehen, was ich so geschafft habe. Eine gute Abwechslung zu meinem beruflichen Alltag, wo Ergebnisse oft nicht so klar sichtbar sind. Ich vermisse tatsächlich unseren Marktschwärmer, denn auch da bekamen wir leckeres Gemüse aus der Region. Eine gute Alternative für alle, denen es nicht gefällt, dass sie das Gemüse der Woche nicht selber aussuchen können. In der SoLaWi bekommen wir jede Woche nämlich das Gemüse, dass gerade geerntet werden muss. Beim Marktschwärmer und auf dem Biomarkt kann ich stärker selber entscheiden was ich kaufe.

Die Gemüsemenge schwankt bei der SoLaWi tatächlich auch Jahreszeitenbedingt. Im Winter gibt es, zumindest bei unserer SoLaWi, deutlich seltener Gemüse. Da habe ich das erste Mal Wirsing bekommen – hätte ich nie gekauft, weil ich dachte der schmeckt nicht – und festgestellt: SOOO lecker 😉

Inzwischen bekommen wir jede Woche große Tüten voll Salat, Fenchel, Mangold, Kräuter, Frühlingszwiebeln und Kohlrabi. Sieht optisch ganz anders aus als noch vor ein paar Monaten. So gibt es dann auch bei der SoLaWi abwechslungsreiches Essen – der Rhythmus des Wechsels ist ein wenig anders als vorher, aber definitiv nicht schlechter. Absolutes Highlight für mich ist es, bei der Beschaffung der Lebensmittel noch einen Schritt weiter auf saisonal und regional und somit nachhaltig gegangen zu sein. Größtes Highlight für meine kleine Tochter ist die Tatsache, dass wir schon zweimal eine kleine Schnecke im Salat gefunden haben. Der ist halt nicht ganz so klinisch sauber wie aus dem Supermarkt. Zugegebenermaßen, das nervt beim Waschen. Aber es fühlt sich besser an diesen Salat zu essen – es ist eben glücklicher Salat.

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